Frau Schmerz ist eine junge Patientin, Mitte 30, verheiratet, kinderlos und ein bisschen einfach strukturiert. Frau Schmerz hat (vermutlich durch ihr kräftiges Rauchen mitbedingt) Zahnprobleme. Dafür hat man ihr Antibiotika gegeben. Da die Zähne aber nicht besser wurden, nahm sie die Medikamente recht lange. Die Folge war eine akute Darmentzündung, die zu Unterbauchschmerzen, Erbrechen und anderen unschönen Sachen führte. Frau Schmerz aß kaum noch, bewegte sich beinahe nicht mehr und ließ schließlich keine Berührungen zu, sie lief gebeugt und kehrte auch nach Abheilung nicht in ihr reguläres Leben zurück. Stattdessen hat sie nun Angst vor möglichen Schmerzen und vermeidet, wo es nur geht.
Nun kam Frau Schmerz zu uns und berichtete unklare Rippenschmerzen, gelegentlich stechende Unterbauchschmerzen rechts und so weiter…. Auf ihr Drängen schicken wir sie schließlich konsiliarisch zum Orthopäden. Der sah sich ihre letzten Röntgenbilder an und diagnostizierte:
– Verschiebung der Rippenbögen aufgrund der langen Fehlhaltung
– Veränderung der Wirbelsäule aufgrund der langen Fehlhaltung
Er sagte auch, man könne zur genaueren Abklärung ein MRT machen. Das soll jedoch am Heimatort nach der Reha stattfinden, jetzt könne die Pat. Schmerzmedikamente haben (die sie ablehnte). Insgesamt könne man natürlich versuchen, gegen die Fehlstellungen etwas zu machen, mit den Schmerzen müsse sie jedoch ein Stück weit leben.
BOOOOMM. Das ging ja gar nicht. So weiterleben? Niemals!
Also dröselte ich mit ihr auf, was chronische, akute und gelegentlich wiederkehrende Schmerzen sind, disputierte ihren Ärger auf ‚die Ärzte‘ und versuchte, das Verhalten des Orthopäden zu relativieren. Dabei entstand folgender Dialog:
Pat.: Und dann hab ich meinem Mann die Diagnosen erzählt und der schaute gleich ins Internet und sagte, der Arzt hat totalen Unsinn erzählt…
Ich: Also ist Ihr Ehemann Orthopäde? *lächelt*
Pat.: ?_?
Ich: … :)
Pat.: Nein? Aber, er hat doch im Internet nachgelesen….
Merke: Ironie funktioniert nur bedingt…>_>
Aber es ging ja noch weiter.
Ich: Sie sagten ja, der Arzt hat sie nicht richtig behandelt.
Pat.: Das war unterlassene Hilfeleistung.
Ich: Was stellen Sie sich vor, was er machen sollte?
Pat.: Das MRT.
Ich: Sie sagten auch, es war dort sehr voll und laut?
Pat.: Ja, er hatte viel zu tun. Aber ich kam mit akuten Schmerzen.
Ich: Für die er Ihnen Medikamente angeboten hat.
Pat.: Ja.
Ich: Was stellen Sie sich vor, hätte er sonst akut machen können?
Pat.: Vielleicht kann man die Rippen ja brechen und dann neu zusammenwachsen lassen.
Ich: Nehmen wir an, man kann das machen – ich bin kein Arzt. Wie lange schätzen Sie, müssten sie im Krankenhaus oder in Behandlung bleiben?
Pat.: Sicher ein paar Wochen.
Ich: Und wie lange sind Sie noch bei uns?
Pat.: Etwa zwei.
Das Gespräch war wirklich zäh. Deswegen finde ich Schmerzpatienten, die noch nicht dort sind, die Schmerzen anzunehmen, wirklich schwierig. Ich habe Frau Schmerz übrigens auch zum Klettern geschickt.
Pat.: Und der Gurt so am Bauch, das war viel zu fest. Ich wollte das locker haben, aber die Therapeutin hat es nicht erlaubt.
Ich: Und hatten Sie Schmerzen?
Pat.: Nein ?_?
Ich: Sehr gut, genau die Erfahrung ist wichtig.
Pat.: Ja, und zweimal reicht. Ich hab’s ja wie versprochen versucht.
Ich: Wie lange nochmal haben Sie sich fast nicht bewegt?
Pat.: Sechs Monate.
Ich: Zwei Übungen sollen also sechs Monate ausgleichen? :)
Pat.: ?_?